Eine gutartige Prostatavergrößerung (BPH) wird in Abhängigkeit von Schweregrad der Symptome, dem individuellen Verlauf und den persönlichen Vorlieben des Patienten behandelt. Die Therapie zielt darauf ab, die Beschwerden zu lindern, die Blasenfunktion zu verbessern und mögliche Komplikationen wie Harnverhalt oder Nierenschäden zu verhindern. Hier sind die gängigen Behandlungsoptionen:
1. Abwarten und Lebensstiländerungen
Bei milden oder gar keinen Beschwerden kann eine „watchful waiting“-Strategie sinnvoll sein. Der Arzt kontrolliert die Symptomatik in regelmäßigen Abständen (z. B. alle 6–12 Monate). Unterstützende Maßnahmen:
- Reduktion von Flüssigkeitskonsum am Abend
- Vermeidung Reizung der Blase durch Koffein, Alkohol oder scharfen Speisen
- Regelmäßige Bewegung zur Verbesserung der allgemeinen Gesundheit
- Gewichtskontrolle – Übergewicht kann Symptome verstärken
2. Medikamentöse Therapie
Diese ist die häufigste erste Behandlungsoption und eignet sich besonders bei mittelgradigen Beschwerden. Die Medikamente werden oft in Kombination eingesetzt:
a) Alpha-1-Blocker
Beispiele: Tamsulosin, Alfuzosin, Doxazosin
- Wirkung: Entspannen die glatte Muskulatur der Prostata und der Harnröhre → verbesserter Harnfluss
- Vorteil: Schnelle Linderung (innerhalb Tage bis Wochen)
- Nebenwirkungen: Schwindel, Schwindelsensation beim Aufstehen (orthostatische Hypotonie), erektile Dysfunktion (selten)
b) 5-Alpha-Reduktase-Hemmer
Beispiele: Finasterid, Dutasterid
- Wirkung: Verhindern die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT), das die Prostatawachstum fördert → Verkleinerung der Prostata im Verlauf von Monaten
- Vorteil: Langfristige Reduzierung der Prostatagröße, verhindert Fortschreiten
- Nebenwirkungen: Deutlich vermehrte sexuelle Nebenwirkungen (gestörte Libido, erektile Dysfunktion, Verlust der Potenz), Brustvergrößerung, Stimmungsveränderungen; bei Langzeitanwendung kann ein Prostatakrebs-Risiko nicht vollständig ausgeschlossen werden, daher regelmäßige Kontrolluntersuchungen
c) Kombinationspräparate
Kombination aus Alpha-1-Blocker und 5-Alpha-Reduktase-Hemmer (z. B. Dutasterid + Tamsulosin)
- Vorteil: Schnelle Symptomlinderung durch den Alpha-Blocker sowie langfristige Prostataverkleinerung durch den 5-Alpha-Reduktase-Hemmer
d) Beta-3-Adrenorezeptoragonisten
Beispiel: Mirabegron
- Wirkung: Entspannt die Blasenmuskulatur → verbessert das Harndranggefühl und die nächtlichen Harnentzüge
- Einsatz: Oft als Zusatztherapie, wenn Alpha-Blocker allein nicht ausreichen
- Nebenwirkungen: Erhöhter Blutdruck, Übelkeit
e) Phosphodiesterase-5-Hemmer
Beispiele: Sildenafil, Tadalafil
- Wirkung: Besserung von erektiler Dysfunktion, die häufig mit BPH einhergeht; kann auch den Harnfluss leicht verbessern
- Einsatz: Vor allem bei Patienten mit gleichzeitig vorliegender erektiler Dysfunktion
f) Antidepressiva (z. B. Duloxetin)
- Wirkung: Wirken auf nervöse Strukturen, die zum Harndrang beitragen
- Einsatz: Bei starken Drangbeschwerden, wenn andere Medikamente nicht wirken
3. Minimale invasive oder operative Verfahren
Wenn Medikamente nicht ausreichend wirken, Symptome stark ausgeprägt sind oder Komplikationen wie Harnverhalt, Blasensteinen oder Nierenschäden vorliegen, kommen Operationen infrage.
a) Transurethrale Resektion der Prostata (TURP)
- Standardmethode: Kleine Teil Resektion der vergrößerten Prostataanteile mittels Endoskop
- Anwendungsbereich: Prostata bis etwa 80 ml
- Vorteile: Hohe Erfolgsquote, kurzer Krankenhausaufenthalt
- Risiken: Blutungen, Verletzungen der Harnröhre, selten Impotenz oder Inkontinenz
b) Laserbasierte Verfahren
Beispiele: Transurethrale Vaporisation (TUVP), Photoselektive Lasertherapie (Pолотер), Holmiumlaser-Enukleation der Prostata (HoLEP)
- Vorteile bei HoLEP: Auch für sehr große Prostata (>80 ml) geeignet, geringeres Blutungsrisiko, gute Langzeitergebnisse
- Nachteile: Erhöhte Kosten, spezielle Ausrüstung erforderlich
c) Transurethrale Enukleation der Prostata (TEP)
- Wirkung: Entfernung des vergrößerten Prostatateils in einem Stück
- Einsatz: Vor allem bei sehr großen Prostataschwellungen
d) Prostatasteilembolisation (PAE)
- Wirkung: Durch Katheter wird die Blutversorgung der vergrößerten Prostataanteile unterbrochen → Gewebe schrumpft im Verlauf
- Vorteile: Ambulante Durchführung, geringe Nebenwirkungen, kurzer Genesungszeitraum
- Einsatz: Alternative bei Patienten mit hohen Operationsrisiken oder bei Ablehnung von Eingriffen unter Vollnarkose
- Limitierung: Nicht für alle Patienten geeignet; Erfolg kann variieren, manchmal notwendig, später noch eine Operation
4. Weitere Maßnahmen bei speziellen Problemen
- Katheterbehandlung: Bei akuter Harnverhaltung oder chronischem Katheter pflichtigem Zustand
- Blasenentleerungsübungen: Biofeedback-Therapie zur Verbesserung der Blasenfunktion
- Physiotherapie: Bei Schmerzen im Beckenbereich
Entscheidungsfindung
Die Wahl der Therapie richtet sich immer nach:
- Schweregrad der Symptome (z. B. nach dem International Prostate Symptom Score IPSS)
- Größe der Prostata (Ultraschall oder MRT)
- Vorhandenen Begleiterkrankungen (z. B. Bluthochdruck, Diabetes)
- Nebenwirkungenrisiko der Medikamente
- Persönlichen Präferenzen des Patienten
Es ist wichtig, die Therapie gemeinsam mit einem Urologen zu planen, um die individuell beste Option zu finden. Regelmäßige Kontrolle ist bei jeder Behandlungsform empfehlenswert, um das Fortschreiten der Erkrankung zu überwachen.