Ja, Morbus Bechterew (auch bekannt als ankylosierende Spondylitis) kann tatsächlich mit einem Fersensporn (Kalkaneussporn) in Verbindung stehen, allerdings nicht direkt als Ursache, sondern eher als begleitendes Phänomen oder Folge der Erkrankung. Hier sind die wichtigsten Zusammenhänge:
1. Entzündliche Prozesse bei Morbus Bechterew
Morbus Bechterew ist eine chronisch-entzündliche rheumatische Erkrankung, die primär die Wirbelsäule und die Iliosakralgelenke (ISG) betrifft. Allerdings können auch andere Gelenke, Sehnenansätze (Enthesien) und Weichteile entzünden. Besonders häufig sind:
- Enthesitis: Entzündung der Sehnenansätze (z. B. an der Ferse, Achillessehne oder Plantarfaszie).
- Periphere Gelenkbeteiligung: Bei etwa 30–50 % der Patienten sind auch Gelenke außerhalb der Wirbelsäule betroffen, z. B. Hüfte, Knie oder Sprunggelenke.
2. Fersensporn und Enthesitis
Ein Fersensporn ist eine knöcherne Ausziehung am Fersenbein (Kalkaneus), die oft durch chronische Überlastung oder Entzündung der Plantarfaszie entsteht. Bei Morbus Bechterew kann eine Enthesitis der Plantarfaszie oder Achillessehne zu ähnlichen Symptomen führen:
- Schmerzen unter der Ferse (bei Plantarfasziitis).
- Schmerzen hinter der Ferse (bei Achillodynie).
- Die Entzündung kann langfristig zu einer Verknöcherung (Spornbildung) führen, ähnlich wie bei nicht-entzündlichen Ursachen (z. B. durch Fehlbelastung).
3. Unterschiede zwischen “normalem” Fersensporn und Bechterew-bedingten Beschwerden
| Merkmal | Fersensporn (mechanisch) | Bechterew-assoziierte Enthesitis |
|---|---|---|
| Ursache | Überlastung, Fehlstellung | Autoimmun-Entzündung |
| Schmerzcharakter | Belastungsabhängig (morgens schlecht, nach Bewegung besser) | Oft Ruheschmerz, nächtlich, steif |
| Begleitsymptome | Keine systemischen Symptome | Mögliche Wirbelsäulensteifigkeit, Iritis, Fatigue |
| Diagnostik | Röntgen, Ultraschall | MRT (zeigt Entzündung), HLA-B27-Test, Labor (CRP/BSG) |
4. Häufigkeit bei Morbus Bechterew
Studien zeigen, dass bis zu 20 % der Bechterew-Patienten eine Enthesitis an der Ferse entwickeln. Die Beschwerden können sogar vor den typischen Rückenschmerzen auftreten und sind dann oft ein frühes Warnsignal.
5. Therapieansätze
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache:
- Bei rein mechanischem Fersensporn: Einlagen, Dehnübungen, Stoßwellentherapie, NSAR (z. B. Ibuprofen).
- Bei Bechterew-bedingter Enthesitis:
- Medikamentös: NSAR, Kortison-Injektionen, Biologika (z. B. TNF-α-Hemmer wie Adalimumab).
- Physiotherapie: Dehnung, Kräftigung, manuelle Therapie.
- Lokaltherapie: Kühlung, Salben (z. B. Diclofenac-Gel).
6. Wann an Morbus Bechterew denken?
Ein Fersensporn sollte besonders dann rheumatologisch abgeklärt werden, wenn:
- Die Schmerzen nicht auf konservative Maßnahmen ansprechen.
- Weitere Symptome wie nächtliche Rückenschmerzen, Steifigkeit oder Iritis (Augenentzündung) vorliegen.
- Familiäre Häufung von rheumatischen Erkrankungen besteht.
Fazit
Morbus Bechterew kann indirekt einen Fersensporn begünstigen, indem die chronische Entzündung der Sehnenansätze (Enthesitis) zu knöchernen Anbauten führt. Wichtig ist die Abgrenzung von einem “normalen” Fersensporn, da die Therapie bei entzündlicher Ursache anders ausfällt. Bei Verdacht sollte ein Rheumatologe hinzugezogen werden.
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